Dipl.-Ing. Josef Schöttner
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Begriffssystem/Nomenklatur

Hohe Stammdatenqualität durch Bereinigung des Begriffssystema (Data Dictionary)

Ein Großteil der Stammdaten besteht aus Zeichenketten (Benennungen, Bezeichnungen, Kennungen etc.), die Objekt-, Prozess- und Projektzustände vollständig, aktuell und widerspruchsfrei dokumentieren sollen. Diese Definitionen in ihrer Gesamtheit können als Begriffssystem aufgefasst werden. Neben dem Nummernsystem hat dieses großen Einfluss auf die Qualität der Stammdaten.

Damit die Zeichenketten bzw. Namen zu jeder Zeit die Anforderungen an sie erfüllen, müssen diese systematisch aufgebaut werden. Die Normen DIN 2330 (Begriffe und Benennungen, Allgemeine Grundsätze) und 6790 (Wortangaben in technischen Zeichnung) können hierfür wertvolle Hilfestellung leisten. Zielsetzung sollte sein, ein unternehmensweites multi-linguales Begriffslexikon zu etablieren.

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Begriffslexikon

Unter Begriffslexikon wird hier die Katalogisierung aller erforderlichen Zeichenketten verstanden. Im Weiteren wird für Zeichenketten der Ausdruck Benennungen verwendet.
Das Konzept des Begriffslexikons fasst sowohl die Benennung als auch die Definition zu jedem Begriff zusammen. Gemäß der DIN 2330 wird eine präzise – qualitativ hochwertige – Benennung durch die Präzision der Definition des Begriffs erreicht, den die Benennung bezeichnet. Grundsätze für das Erstellen von Definitionen bietet gleichfalls die DIN 2330.
Grundsätzlich soll jeder Benennung eine informative Definition zugeordnet werden. Dies können ein einfacher Text und/oder ein Verweis auf eine mehr oder weniger umfangreiche Datei mit Graphik(en) sein. In Verbindung mit den Möglichkeiten der Internet-Technik lässt sich der Ansatz des Begriffslexikons Schritt für Schritt zur Wissensbasis ausbauen.
Namensbildung

Zur systematischen Namensbildung sollte ein unternehmensweites Regelwerk aufgebaut werden. Dabei soll die Benennung grundsätzlich eine möglichst einfache Namensgebung für gleiche Objekte (z. B. Zeichnungen) oder Sachverhalte (z. B. Freigabestatus) und deren Merkmale/Eigenschaften (z. B. Format von Zeichnung oder Entwurf für Freigabestatus) sein.

Begriffsmerkmale

Bei der Festlegung von Bildungsregeln für Teilebenennungen spielen Begriffsmerkmale eine wichtige Rolle. Im Kontext dieses besonders weitreichenden Themenkreises sind unter anderen die Merkmale

Geometrie (z.B. Winkelblech),
Funktion (z.B. Stütz-/Tragblech),
Fertigungstechnik (z.B. Biegeblech)
und Werkstoff (z.B. Stahlblech)
von Bedeutung. Wenn immer möglich, sollte die geometrieorientierte Teilebenennung grundsätzlich Vorrang haben. Die Begriffsmerkmale Funktion, Fertigungstechnik, Werkstoff usw. sind eigentlich Teilemerkmale, die nur in Ausnahmefällen in einer Teilebenennung Verwendung finden sollten.
Einwortbenennung

Bei der Bildung von Einwortbenennungen (Dichtung, Klauenkupplung, Spannschrauben-Befestigungsrichtung etc.) stellen sich u. a. die Fragen: Aus wie viel bedeutungstragenden Einheiten (Silben, Wörter) soll eine Benennung maximal bestehen? Welche Wortarten (Adjektiv, Adverb, Kurzform/Abkürzung, Präposition, Substantiv, Verb/ Verbstamm, Zahlwort etc.) sollen als Einheiten verwendet werden? Wann, warum und wie soll ein Bindestrich Einheiten in Einwortbenennungen trennen?

Mehrwortbenennung

Bei der Bildung von Mehrwortbenennungen (z. B. Klauenkupplung mit Klemmnabe kurzbauend axial geschlitzt) gelten grundsätzlich ebenso die Regeln der Einwortbenennung. Darüber hinaus ist die Wortfolge entscheidend. Häufig setzen sich Mehrwortbenennungen aus einem Substantiv und einer oder mehreren beschreibenden Ergänzungen (Adjektive/Adverbien) zusammen (z. B. Abdeckung rechts). Hierbei stellt sich die Frage: Sollen die Ergänzungen ausnahmslos vor oder nach dem Substantiv stehen (z. B. Bolzen geschmiedet oder geschmiedeter Bolzen)?

Abkürzungen

Bei der Bildung von Abkürzungen (DIN 2340, Kurzformen für Benennungen und Namen) (Art.-Nr., EMV, max. etc.) stellen sich u. a. die Fragen: Wann bzw. warum soll abgekürzt werden? Wann und warum soll welche Kürzungsart Verwendung finden? Sind bereits Standardabkürzungen für bestimmte Benennungen verfügbar? Wann, warum und wie sollen Abkürzungen mit Langformen innerhalb von Ein- und Mehrwortbenennungen kombiniert werden?

Mehrsprachigkeit

Die internationale Ausrichtung eines Unternehmens erfordert, wichtige Stammdaten in der jeweiligen Landessprache zu führen. Mit der Standardisierung von Benennungen und der Anlage von Katalogen wird die Voraussetzung für durchgängige und konsistente Mehrsprachigkeit geschaffen.

Stammdatenpflege

Um langfristig eine hohe Stammdatenqualität sicherzustellen, ist es zwingend notwendig, das Begriffslexikon an zentraler Stelle zu pflegen (z. B. durch eine Normenstelle). Wann und wie es geändert oder erweitert wird, darf nicht von der individuellen Sichtweise einzelner Nutzer abhängig sein.

Prinzip des Begriffslexikons

Begriffslexikon

Prinzip der Mehrsprachigkeit

Mehrsprachigkeit

Benennungen und die Bezeichnungen ihrer Arten sollten unternehmensbezogen sein

BegriffsqualitätDie Konsistenz von Benennungen hat für die Stammdatenqualität in der Fertigungsindustrie besondere Bedeutung. Der Aufbau von standardisierten Benennungskatalogen ist in diesem Kontext ein wichtiger Schritt, um widerspruchsfreie Benennungen zu gewährleisten.

Sofern dies jedoch nur systembezogen geschieht, ist der positive Effekt merklich begrenzt. Stammdaten sind Unternehmensdaten und müssen als solche systemunabhängig geführt werden. Das Problem von Benennungswildwuchs lässt sich zwar mit Benennungskatalogen lösen, so dass unkontrolliert redundante Benennungen wie etwa "Flüssigkristallanzeige", "Fluessigkristallanzeige", "Flüssigkristall-Anzeige" etc. vermieden werden, nicht aber, dass Objektbenennungen systembezogen entstehen.

Vor allem im Produktentstehungsprozess ist es unerlässlich, dass Benennungen einheitlich sind. Speziell PDM und ERP sollten die gleichen Benennungsarten und Bennungen verwenden (z. B Teiletyp: "Halbzeug", "Teil", "Baugruppe" etc., Teileart: "Normteil", "Katalogteil", "Entwicklungsteil" etc., Teilekategorie: "Mechanik", "Elektrik", "Pneumatik" etc. und so weiter). Die Realität sieht häufig anders aus. Die Bezeichnungen der Benennungsarten (Attributnamen) sowie die Benennungen selbst (Attributinhalte) sind in PDM und ERP meist verschieden (z. B. Attributname "Teiletyp" in PDM und "Materialart" in ERP sowie Attributinhalt "Rohbaugruppe" in PDM und "ZRBG" in ERP). Dies kann zu Fehlern führen und unnötige Kosten hervorrufen.

In mehr betriebswirtschaftlich angewandten Systemen wie etwa CRM haben die Nutzer in der Regel eine etwas andere Sicht auf die Daten bzw. verbinden damit eine etwas andere Bedeutung. Im Vertriebs- und Verkaufsprozess wird beispielsweise das Bauteil zum Artikel. Es ist daher kein Problem, dort etwa den Attributnamen "Teileart" in "Artikelart" zu ändern, sofern die Attributinhalte unverändert bleiben. Es ist notwendig, die verschiedenen Attributnamen bei der Implementierung der Systemkommunikation bzw. der Schnittstellen zu beachten.

Das gesagte gilt für alle Arten von Benennungen, die in den Wertschöpfungsprozessen von der Produktidee bis zum Recycling genutzt werden.

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